Junge vegane Küche – eine Buchrezension

Yoga und vegan? - Gehört zusammen, denn ein Grundsatz von Yoga ist Gewaltlosigkeit gegenüber anderen Lebewesen. Gerade in Zeiten der Massentierhaltung ist das auch bei Milchprodukten und Eiern nicht gewährleistet. 
Und entgegen den Vorurteilen: Vegane Küche ist vielfältig, nicht langweilig und unglaublich lecker. Philip Hochuli zeigt das in seinem Buch.

Ein rein veganes Kochbuch. Vorweg und zusammenfassend: Ein voller Erfolg!

Infos für Eilige

Eine kurze Zusammenfassung mit allen harten Fakten auf einen Blick:

  • Inhalt allgemein: über 100 Rezepte, Tipps zu Zutaten und Einkauf
  • Inhalt speziell:
    • Rezepte für Vor-, Haupt- & Nachspeisen sowie Frühstück & Kaffee
    • einige typische schweizer Rezepte
  • Preis: 22,80€
  • Praxiseindruck: sehr leckere, praktische und gelingsichere Rezepte
  • Kritikpunkte:
    • Angebraten wird mit Olivenöl ohne zu erwähnen, dass es kein kaltgepresstes (sondern nur raffiniertes) Olivenöl sein sollte (Verdacht: Krebsrisiko)
    • für meinen Eindruck wird zuviel Öl verwendet (sehr persönliche Meinung!)

Impressionen

Bevor ich das Buch rezensieren kann, mussten erst einige Rezepte nachgekocht werden, was bei solchen gelingsicheren Rezepten einfach nur Spaß gemacht hat.

Bei einigen Rezepten habe ich variiert, teilweise weil nicht alle Zutaten im Hause waren, aber auch weil ich nicht so viel mit Sojaprodukten kochen mag. Darum habe ich Tofu zum Beispiel durch Seitan ersetzt oder Sojasahne durch Reissahne – funktioniert einwandfrei!

Brotaufstriche, Toast Hawaii & Allerlei

Hauptgerichte

Typische Rezepte der Schweiz veganisiert

Süße vegane Rezepte

Der Weg zum Buch

Zu Beginn meiner veganen Karriere befinde ich (an dieser Stelle schreibt übrigens der Sohn 😉 )mich in der Schweiz. Mit dem Wohnortwechsel kommt auch die Idee in der Ernährung noch einen Schritt weiter zu gehen.

Vegan koche ich dabei schon länger, da meine Umstellung sehr gemächlich vorangeht. Folglich fehlt es mir nicht an einfachen Rezepten, zumal das Netz in Hinblick auf vegane Rezepte durchaus sehr spendabel ist. Ein veganes Kochbuch wäre aber schon was Feines.

Stammtisch Empfehlung

Darauf angesprochen wurde mir vom veganen Stammtisch in der Schweiz „Junge vegane Küche“ sehr ans Herz gelegt. Zufälligerweise hat der Autor sogar selbst lange in Winterthur gelebt, das passt ja 😉

Die Kommentare am Stammtisch waren: Gute Rezepte, viele Bilder, praktisches Format. Später ist der Verkäuferin im deutschen Buchladen rausgerutscht: „So ein kleines Buch und so teuer.“  Mit 22,80€ tatsächlich kein Schnäppchen, andere Kochbücher sind für diesen Preis dicker.

… teuer. Aber!

Ja, andere Kochbücher sind vielleicht dicker, ABER: Aus keinem Buch habe ich bisher soviel gekocht, selten hatte ich so gelingsichere Rezepte, kein anderes mir bekanntes veganes Kochbuch ist so praktisch. Die Erwartungen nach den Kommentaren von Stammtisch wurden keinesfalls enttäuscht!

Nun aber der Reihe nach:

 Inhalt

Kochbuch "Junge vegane Küche"

Gesamtaufnahme des Buches mit dem praktischen Ringelblock

Nach dem Vorwort und einigen Tipps zum Einkauf geht es direkt in die Rezepte, mit nachvollziehbarer Struktur:

  • Basics (Salatsaucen, „Käse“, Teige, …)
  • Allerlei (Kartoffelsalat, Tsatsiki, Currysalat, marinierte Auberginen, Baguettes, Onionrings,…)
  • Gemüse (Auberginenpfanne, Lauch-Kohl-Gemüse, Ratatouille, Ind. Spinat,…)
  • Hauptgänge ( Asiatische Reispfanne, Zwiebelwähe, Quiche, Einfache Schnitzel, Fischstäbchen vom „Tofufisch“, Burger, Kartoffelpuffer, Nudelpfanne … unzählige viele mehr)
  • Süßes (American Brownies, Linzer Torte, Bananenmuffins, Blueberry Buttercream, Kokoskuchen, Dattelkonfekt,…)

Alltagstauglichkeit

Ringelblock & Design

Ein für mich ganz großes Plus an dem Buch ist der Ringelblock. Warum haben das nicht mehr Kochbücher? Mit dem Ringelblock gibt es kein nerviges Zublättern (was natürlich meist dann passiert, wenn man eben fettige Hände hat…).

Fast jedes Rezept  ist sehr schön bebildert (außer den Basics). Da ich gerne blätternd nach Rezepten suche kommt mir das sehr entgegen.

Das Papier ist „alterungsbeständiges Papier“ (so steht es im Einband), also kein Hochglanzpapier, sondern dieses „Zwischen-Normalpapier-und-Hochglanz-Papier“-Papier, welches man bei hochwertigen Kochbüchern allgemein so findet.

Alltagszutaten

Die Rezepte  werden fast nur aus „normalen“ Zutaten zubereitet. Dazu zähle ich auch Tofu und Soja-Sahne, da diese nun mittlerweile fast überall erhältlich sind. Die einzige ungewöhliche Zutat ist wohl die Edelhefe, aber auch diese gibt es zumindest im Reformhaus. So unbekannte, exotische Zutaten wie Chia-Samen oder ähnliches kommen in dem Buch nicht zum Zuge. Sehr gut für Einsteiger, so müssen nicht gleich die Vorräte teuer aufgestockt werden.

Rezepte für jede Situation – und dazu gelingsicher

Die Vielfalt der Rezepte erschlägt alles, was man so braucht, wie oben schon ersichtlich. Darüber hinaus gibt es auch einige typische Schweizer Rezepte, natürlich veganisiert:

  • Apfelwähe
  • Birchermüsli
  • Johannisbeer-Streuselwähe
  • Magenbrot
  • Osterfladen
  • Rösti mit Zwiebelsauce
  • Zimtfladen
  • Zwiebelwähe

Sehr positiv überrascht war ich von der Gelingsicherheit. Bisher hat jedes Rezept einwandfrei geklappt, was ich leider nicht von allen veganen Rezepten behaupten kann. Am meisten habe ich mich gefreut, endlich ein veganes Pfannkuchenrezept gefunden zu haben, welches auch tatsächlich funktioniert. Sonst hatte ich immer das Problem, dass der Teig reißt oder festbackt. Das Rezept aus dem Buch dagegen funktioniert so gut wie Pfannkuchen mit Eiern 🙂

Kritik

Eigentlich habe ich nicht viel zu kritisieren, jedenfalls nichts Schwerwiegendes:

Ungenauigkeiten

Es sind ein paar Kleinigkeiten ungenau, so steht bei den Zutaten zum Beispiel Agavendicksaft und in der Zubereitung wird dann von Zucker gesprochen, welcher hinzugegeben werden soll. Aber im Prinzip ist es ja auch dasselbe 😉

Olivenöl erhitzen

Wirklich gestört hat mir, dass auch mit Olivenöl angebraten wird. Mir fehlt schlichtweg der Hinweis, dass es sich dabei um raffiniertes Olivenöl handeln sollte. Dieses kann bis 210°C erhitzt werden.
Bei kaltgepressten Olivenölen entstehen in diesem Temperaturbereich wohl schon krebserregende Stoffe, sie sollen darum nur bis 180°C erhitzt werden. Und wer kann schon garantieren, dass man beim Anbraten nicht über diesen Temperaturbereich gelangt?
Und: Warum ein so teures Öl mit wertvollen Inhaltsstoffen so stark erhitzen, dass viele von diesen verloren gehen? Ich habe jedenfalls Rapsöl verwendet – günstiger und bedenkenlos.

Soja hier, Tofu dort

Häufig ist die Ernährung von Umsteigern in die vegane Szene sehr sojalastig: Sojamilch, Sojasahne, Tofu. Das war bei mir in der Übergangsphase auch so, mittlerweile stehe ich dem kritisch gegenüber.
In dem Buch werden nun oft eben diese Zutaten verwendet. Dafür habe ich dann halt Reis- oder Mandelmilch, Reissahne und statt Tofu lieber Seitan verwendet (was natürlich nicht bei allen Rezepten klappt).
Aber: Das ist natürlich eine sehr persönliche Meinung!

Fazit

Ich denke mein Artikel zeigt es ganz gut:  Das Buch macht sich gut im Küchenregal und ist seinen Preis voll und ganz wert.

Wer nun allerdings erwartet, Rezepte mit Quinoa, Amaranth und anderen heiß-besprochenen Zutaten der veganen Szene zu finden wird enttäuscht. Aber genau dieser Umstand macht „Junge vegane Küche“ eben so praktisch, insbesondere für Einsteiger.

Habt ihr schon Erfahrungen mit dem Buch sammeln können?

Dieser Artikel hat 2 Kommentare

Diana Hölzing

Werde mir das Buch kaufen, da mich überzeugt was du schreibst. Nicht durch den ganzen hochdotierten Quatsch kommt man zum veganen, sehe ich eher als Hemmschuh für Menschen die es gerne tun würden, aber schon an der Beschaffung der Zutaten dann scheitern, sondern durch Lebensmittel die man auch bekommt, ohne dass man Klimmzüge machen muss.

Antworten
Evelyn Schneider

Hallo Diana, leider landete dein Kommentar im falschen Ordner. Sorry für die sooo späte Antwort. Ja, genau wie du sagst, scheinen der Aufwand für die Ernährungsumstellung und oft die damit verbundenen Kosten zu hoch. Ein aufmerksamer Blick in den Vorratsschrank aber zeigt, der Start ist einfacher als erwartet. Nur für Abwechslung muss kreativ gesorgt werden. Mutig austauschen! Keine extravagant teuren Reissorten oder Öle sind nötig, sonder regional gut verfügbare Zutaten: Dinkel, Buchweizen, frisches (!!!) Leinöl und die unterschätzte Vielfalt der einheimischen Hülsenfrüchte. Viele Grüße und viel Spaß beim Nachkochen und experimentieren! Evelyn

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